ARCHITEKTUR

Das Palais Bulles von Antti Lovag

Von Aimée

28. MAI 2021

Futurismus, der auch heute noch futuristisch und anziehend wirkt: die Sommerresidenz von Pierre Cardin. In den 70er Jahren konzipiert und gebaut.

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Antti Lovag - der Architekt

Antti Lovag kam 1920 in Budapest auf die Welt und befasste sich bis zu seinem Tod im Jahr 2014 in Frankreich mit organischer Architektur. Zu seinen bekanntesten Bauten gehört das “Palais Bulles” – die ehemalige Sommerresidenz des Modedesigners Pierre Cardin. Dieses aussergewöhnliche Anwesen befindet sich in Théoule-sur-Mer in der Bucht von Cannes und ist den meistens von unser vermutlich bereits einmal auf Instagram oder Pinterest begegnet.

Lovag studierte die Umgebung exakt und integriert die terracottafarbene Wohnlandschaft gekonnt in die Natur des Massif de L’Esterel. Letzteres ist besonders für seine roten Erdfarbtöne bekannt. Der Bau des Anwesens dauerte 14 Jahre: von 1975 bis 1989.

Konzept der Bubble Houses

Das Konzept der Architektur der sogenannten Bubble Houses entspringt den 40er Jahren. Damals realisierte Wallace Neff die ersten Bubble Houses, die in nur 48 Stunden gebaut werden konnten. Sie gelten als Basis für die in den 60er Jahren erneut aufgegriffenen Ideen. Besonders dann und bis hinein in die 80er Jahre wird das bestehende Wissen stark weiterentwickelt. Der Zeitgeist der wilden 70er Jahre begeistert sich für Ästhetik, Futurismus und das Hinterfragen sowie Überwinden von bis dahin geltenden Grenze – die Architektur eingeschlossen. 

Massgeblich geprägt wurde die Architektur der Bubble Houses von den Architekten Antti Lovag, Claude Costy-Häusermann und Pascal Häusermann. Man vernarrte sich in die Herausforderung orthogonale Formen durch organische Formen zu ersetzen und dabei eine menschlichere Formensprache in der Architektur zu entwickeln. Dieses Bestreben findet sich übrigens in mehrere Strömungen der Architektur des 20. Jahrhunderts wieder. In der Schweiz beispielsweise das Goetheanum (Rudolf Steiner), welches im anthroposophischen Stil erbaut wurde.

Bubble Houses sind in grösster Dichte in Frankreich zu finden. Der Zustand der Gebäude ist heutzutage teils desolat, doch finden sich immer wieder Liebhaber:innen, die den Gebäuden mit einer stilgerechte Renovierung neue Wertigkeit verleihen.

Wie sieht der Innenraum aus?

Die Kosten des Innenausbaus und der Möblierung waren hoch. Möbel, Einbauschränke und Armaturen mussten dem kugeligen Bau angepasst und entwickelt werden. 

Die Möblierung des Palais Bulles ist, wie man erwartet, exquisit: Die Einrichtung trägt die Handschriften von zeitgenössischen Künstlern wie Jérôme Tisserand und François ChauvinPierre PaulinClaude PrévostRodrigo BasilicatiSerge ManzonAlberto Posselli und Gae Aulenti.

Antti Lovag

Das Palais Bulles

Seit 1999 steht das Palais Bulles, oder auch Maison Bulles genannt, auf der Liste der historischen Denkmäler des französischen Kulturministeriums. Auf rund 1200 Quadratmeter baute Lovag eine Wohnlandschaft, die auf Luftaufnahmen eine organische und zugleich wirre Anhäufung von Bullaugen, Kuppeln und ellipsenförmigen Fenster ist. Die Idee des Wohnkonzepts: die Schaffung eines auf den Menschen angepassten individuellen Lebensraums. Das Anwesen umfasst 10 Schlafzimmer, 2 Swimmingpools, zahlreiche Wasserteiche und sogar ein Amphitheater mit über 500 Sitzplätzen. Abgerundet wird dieser exklusive Wohnkomplex durch den Blick auf das Meer und die Bucht von Cannes.

Bis heute zieht das Anwesen Modedesigner und Kreative in seinen Bann. So verbringt Simon Porte Jacquemus seinen Urlaub gerne im Palais Bulles und ruft uns diese ausgefallene und bis heute futuristische Architektur dank eindrucksvoller Posts auf Social Media ins Bewusstsein. 

Nach dem Tod von Pierre Cardin wurde das Palais Bulles zum Verkauf angeboten – für rund $ 420 Millionen. Es fand sich kein Käufer:in und so ist das Anwesen bis heute bei einem renommierten Auktionshaus gelistet.

Warum die Kugelform?

Diese organische Form ist häufig in der Natur zu finden und ist seit Jahrhunderten in der Architekturgeschichte präsent: Iglu, Höhle, das provenzalische Borie oder auch das italienische Trulli. Für die Architekten:innen reizvoll an dem Konzept der Bubble Houses war nicht nur die Erörterung der neuartigen Gestaltung von Lebensräumen für den Menschen, sondern ebenfalls die kostengünstige Bauweise. 

Anlässlich der Ausstellung ArchiLab im Jahr 2003, beschreibt Pascal Häusermann die Bauweise der Maisons Bulles wie folgt:

“Wie gesagt, Kugeln sind die spannungsfestesten Formen. Sie sind auch am wirtschaftlichsten in der Herstellung und am einfachsten zu implementieren. In der Tat ist alles, was man braucht, ein dünner Betonschleier, dessen Materialeigenschaften sowohl grosse Spannweiten als auch eine hervorragende Wärmedämmung ermöglichen. Wir beginnen mit der Herstellung einer Art Salatschüssel aus Altmetall und hängen dann, auf dieser Form und ohne Schalung, eine Art “Hühnerkäfig”-Gitter auf. Zum Schluss wird der Beton verteilt und geglättet. Der Nachteil dieser Zellen ist ihr geringes Gewicht und ihre Empfindlichkeit gegenüber Vibrationen. Sie haben eine Lebensdauer von ca. 20 Jahren, danach werden sie eher weggeworfen als renoviert, was teuer ist.”

Antti Lovag - der Architekt

Antti Lovag kam 1920 in Budapest auf die Welt und befasste sich bis zu seinem Tod im Jahr 2014 in Frankreich mit organischer Architektur. Zu seinen bekanntesten Bauten gehört das “Palais Bulles” – die ehemalige Sommerresidenz des Modedesigners Pierre Cardin. Dieses aussergewöhnliche Anwesen befindet sich in Théoule-sur-Mer in der Bucht von Cannes und ist den meistens von unser vermutlich bereits einmal auf Instagram oder Pinterest begegnet.

Lovag studierte die Umgebung exakt und integriert die terracottafarbene Wohnlandschaft gekonnt in die Natur des Massif de L’Esterel. Letzteres ist besonders für seine roten Erdfarbtöne bekannt. Der Bau des Anwesens dauerte 14 Jahre: von 1975 bis 1989.

Antti Lovag
palais bulles pierre cardin antti lovag
palais bulles france

Konzept der Bubble Houses

Das Konzept der Architektur der sogenannten Bubble Houses, auch Maison Bulles oder Kugelhaus genannt, entspringt den 40er Jahren. Damals realisierte Wallace Neff die ersten Bubble Houses, die in nur 48 Stunden gebaut werden konnten. Sie gelten als Basis für die in den 60er Jahren erneut aufgegriffenen Ideen. Besonders dann und bis hinein in die 80er Jahre wird das bestehende Wissen stark weiterentwickelt. Der Zeitgeist der wilden 70er Jahre begeistert sich für Ästhetik, Futurismus und das Hinterfragen sowie Überwinden von bis dahin geltenden Grenze – die Architektur eingeschlossen. 

Massgeblich geprägt wurde die Architektur der Bubble Houses von den Architekten Antti Lovag, Claude Costy-Häusermann und Pascal Häusermann. Man vernarrte sich in die Herausforderung orthogonale Formen durch organische Formen zu ersetzen und dabei eine menschlichere Formensprache in der Architektur zu entwickeln. Dieses Bestreben findet sich übrigens in mehrere Strömungen der Architektur des 20. Jahrhunderts wieder. In der Schweiz beispielsweise das Goetheanum (Rudolf Steiner), welches im anthroposophischen Stil erbaut wurde.

Bubble Houses sind in grösster Dichte in Frankreich zu finden. Der Zustand der Gebäude ist heutzutage teils desolat, doch finden sich immer wieder Liebhaber:innen, die den Gebäuden mit einer stilgerechte Renovierung neue Wertigkeit verleihen.

Das Palais Bulles

Seit 1999 steht das Palais Bulles, oder auch Maison Bulles genannt, auf der Liste der historischen Denkmäler des französischen Kulturministeriums. Auf rund 1200 Quadratmeter baute Lovag eine Wohnlandschaft, die auf Luftaufnahmen eine organische und zugleich wirre Anhäufung von Bullaugen, Kuppeln und ellipsenförmigen Fenster ist. Die Idee des Wohnkonzepts: die Schaffung eines auf den Menschen angepassten individuellen Lebensraums. Das Anwesen umfasst 10 Schlafzimmer, 2 Swimmingpools, zahlreiche Wasserteiche und sogar ein Amphitheater mit über 500 Sitzplätzen. Abgerundet wird dieser exklusive Wohnkomplex durch den Blick auf das Meer und die Bucht von Cannes.

Vue_Aerienne_Cote_Palais_Bulles

Bis heute zieht das Anwesen Modedesigner und Kreative in seinen Bann. So verbringt Simon Porte Jacquemus seinen Urlaub gerne im Palais Bulles und ruft uns diese ausgefallene und bis heute futuristische Architektur dank eindrucksvoller Posts auf Social Media ins Bewusstsein. 

Nach dem Tod von Pierre Cardin wurde das Palais Bulles zum Verkauf angeboten – für rund $ 420 Millionen. Es fand sich kein Käufer:in und so ist das Anwesen bis heute bei einem renommierten Auktionshaus gelistet.

Wie sieht der Innenraum aus?

Die Kosten des Innenausbaus und der Möblierung waren hoch. Möbel, Einbauschränke und Armaturen mussten dem kugeligen Bau angepasst und entwickelt werden.

Die Möblierung des Palais Bulles ist, wie man erwartet, exquisit: Die Einrichtung trägt die Handschriften von zeitgenössischen Künstlern wie Jérôme Tisserand und François Chauvin , Pierre Paulin , Claude Prévost , Rodrigo Basilicati , Serge Manzon , Alberto Posselli und Gae Aulenti.

palais bulles pierre cardin

Warum die Kugelform?

Diese organische Form ist häufig in der Natur zu finden und ist seit Jahrhunderten in der Architekturgeschichte präsent: Iglu, Höhle, das provenzalische Borie oder auch das italienische Trulli. Für die Architekten:innen reizvoll an dem Konzept der Bubble Houses war nicht nur die Erörterung der neuartigen Gestaltung von Lebensräumen für den Menschen, sondern ebenfalls die kostengünstige Bauweise. 

Anlässlich der Ausstellung ArchiLab im Jahr 2003, beschreibt Pascal Häusermann die Bauweise der Maisons Bulles wie folgt:

“Wie gesagt, Kugeln sind die spannungsfestesten Formen. Sie sind auch am wirtschaftlichsten in der Herstellung und am einfachsten zu implementieren. In der Tat ist alles, was man braucht, ein dünner Betonschleier, dessen Materialeigenschaften sowohl grosse Spannweiten als auch eine hervorragende Wärmedämmung ermöglichen. Wir beginnen mit der Herstellung einer Art Salatschüssel aus Altmetall und hängen dann, auf dieser Form und ohne Schalung, eine Art “Hühnerkäfig”-Gitter auf. Zum Schluss wird der Beton verteilt und geglättet. Der Nachteil dieser Zellen ist ihr geringes Gewicht und ihre Empfindlichkeit gegenüber Vibrationen. Sie haben eine Lebensdauer von ca. 20 Jahren, danach werden sie eher weggeworfen als renoviert, was teuer ist.”

Schweizer Architekturvertreter

Claude Costy-Häusermann, die Frau von Pascal Häusermann, wurde 1931 in Genf geboren und lebt bis heute im Schweizerischen Minzier. Seit Beginn der 1990er Jahren, befasst sie sich zudem intensiv mit Keramik und Töpferei und gibt bis heute Töpferkurse. Hier der Link zu mehr Informationen. http://www.maison-bulle-minzier.fr/en/poterie/ 

Pascal Häusermann erblickte 1936 in Biel/ Bienne das Licht der Welt und verstarb im Jahr 2011 in Indien. Er baute bis ins Jahr 1975 im Stil der Bubble Houses. Seine Treue und sein Interesse an der Erschaffung organischer Architektur begleitete ihn, laut eigener Aussage, jedoch ein Leben lang.

Vintage-Produkte aus dieser Zeit

Credits: Cloe Harent (Bild 1,4,6, 7 & 9) , Philippe Breydel (Bild 3, 8, 10), Frederic Vasseur (Bild 5) Quelle unbekannt (Bild 2)

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